Erst der Sieg Otto des Großen auf dem Lechfeld (955 n. Chr.) bildete die Grundlage für eine friedliche Kolonisation und Verwurzelung des Christentums. Kaiser Heinrich II., übertrug dem Bistum Bamberg weite Besitzungen zwischen Enns und Ybbs. Bereits 1032 konnte Bischof Berengar von Passau in Haag eine Kirche weihen und eine Pfarre einrichten. In diese Zeit fällt der Beginn der Blüte unserer Heimat, die sich unter der Vogtei des Bistums Bamberg, besonders aber unter den wohlwollenden Herzogen von Steyr zu einem wirtschaftlichen Mittelpunkt des Ennswaldes entwickelte und bis in unsere Tage fortdauert. Nicht gerade zum Vorteil unterstellte Rudolf von Habsburg 1279 Haag der Herrschaft von Salaberg. Der wirtschaftliche Wohlstand des schon zum Markt gewordenen Ortes war jedoch so fest gefügt und verankert, daß die Wirren der kommenden Jahre keinen erheblichen Schaden zufügen konnten. Die aus den Niederlanden kommende Irrlehre der Begharden und Lollharden war es, die die Geister arg verwirrte. Dank des raschen Eingreifens der Bischöfe von Passau und Bamberg konnte bald wieder Ruhe und Ordnung geschaffen werden. Bischof Werntho von Bamberg kam 1331 selbst nach Haag um nach dem Rechten zu sehen und verlieh dem Kloster Gleink das Recht zur Holzschlägerung in den Wäldern um Haag. In den Herren von Rohrbach entstanden den Haagern treue, besorgte Helfer, die viel dazu beitrugen, daß die Wirren, Seuchen und die drohende Hungersnot keine argen Wunden zurückließen. Ihnen ist es auch zu verdanken, daß Kaiser Friedrich III. 1445 die Marktprivilegien erneuerte, den Bewohnern das Bürgerrecht verlieh und das Recht zur Abhaltung des Thomasmarktes und eines Körnermarktes bestätigte. Um diese Zeit wurde auch das Presbyterium der Kirche und der Turm ausgebaut, sowie die Außenmauern verstärkt, so daß unsere Kirche schon damals im großen und ganzen die heutige Form erhielt. Sie ist dadurch zu einem steinernen Tedeum der edelsinnigen Bürger des Markies geworden, die dadurch für alle Zeit ihre Dankbarkeit für die überstandene Krise in Stein geformt haben. Aus dieser Zeit dürften auch die immer wieder bewunderten Häuser an der Ostfront des Hauptplatzes stammen, die später einmal barockisiert wurden.

Schwere Zeiten brachte der Krieg zwischen Kaiser Friedrich und Matthias Corvinus, dem Ungarkönig. Nach dem Fall von Wien am 1. Juni 1485 ergossen sich die ungarischen Heere unter Tettau's Oberbefehl bis an die Enns. Die unter dem Stadtrichter von Steyr Kröll eingesetzten Oberösterreicher waren zu schwach und unterlagen den Ungarn, die bei Ernsthofen ein Lager errichteten. Von hier aus überzogen sie das ganze Gebiet mit unvorstellbaren Greueltaten, die die Bevölkerung nahe ans Verzweifeln brachte. Und doch erstand wieder ein Retter in Herzog Albrecht von Sachsen, der die Feinde 1487 aus Haag vertreiben konnte. Aber erst der Waffenstillstand in der Tettauischen Schanze in Ernsthofen und der Tod des Ungarkönigs Matthias brachten 1490 eine völlige Befreiung von den Kriegswirren, die Haager Bürger hatten sich rasch erholt und nützten die Zeit für emsige Arbeit. Eine Blütezeit gewerblichen Fleisses konnte sich entwickeln. Haager Tonwaren wurden weit und breit gekauft und waren von anerkannter vorzüglicher Qualität. Die 1544 errichtete Weberinnung mit der damit verbundenen Tüchelfärberei führte zu einem ungeahnten Aufschwung des Schneidergewerbes im ganzen Ennswald. Diese Zeit mögen wohl schöne, gesegnete Jahre gewesen sein, die zu einem erheblichen Wohlstand der Haager Bürger führte. Dem Fleiß und der Rührigkeit unseres heimischen Gewerbes blieb auch die höchste Anerkennung nicht versagt. Kaiser Ferdinand I. fertigte 1557 das Privilegium zum Verschleiß Innerbergischen Eisens aus und verlieh 1563 dem Markte Haag das mit dem Bilde des Erzengels Michael versehene Wappen. Das Original des kalligraphisch und ornamental schönen Wappenbriefes mit der eigenhändigen Unterschrift Kaiser Ferdinands schmückt heute noch den Amtsraum der Bürgermeisierkanzlei.