Hatte die Jahrhundertwende Krieg gebracht, so brachte die Mitte des Jahrhunderts die Erfüllung mancher Wünsche. Die Bauernbefreiung und die Errichtung selbständiger Gemeinden wirkten sich auch in der Ortsgeschichte aus. Die Einrichtung eines Steueramtes sowie eines Gendarmeriepostens waren ein Beweis, daß die politischen Pflichten und Rechte immer mehr Sache des Volkes wurden. Das Anwachsen der Bevölkerung machte einen Schulneubau erforderlich. Gerade die Entwicklung der Schule ist ein getreues Abbild der Entwicklung des Ortes. Ursprünglich im Mesnerhaus in einem einzigen Raum untergebracht, übersiedelte sie ins Weiss-Haus am Hauptplatz und fand dann für viele Jahre nach einer Zwischenstation im Hause der Buchdruckerei Huber im heutigen Postgebäude Unterkunft. Im Jahre 1878 konnte das jetzige Schulgebäude eingeweiht werden.

Zahlreiche Neubauten, wie das Bezirksgericht, das Sparkassengebäude, in dem die neu errichtete Sparkasse ein Heim fand, sowie zahlreiche Privathäuser weiteten das Ortsbild. Der Bedeutung des Ortes wurde damit ein angemessener äußerer Rahmen geschaffen.

Mitten in diese stetige friedliche Entwicklung fielen die Schüsse von Sarajewo und der Wellenbrand des ersten Krieges raffte auch 99 Söhne unserer Heimat dahin, während 28 für immer vermißt blieben.

Nach Überwindung der Nachkriegsschwierigkeiten, die leider auch eine Zerreißung der wirtschaftlichen Einheit in 2 Gemeindeteile brachten, konnte dank der Umsicht und der Anstrengung der Gemeindeväter bereits im Jahre 1930 wieder eine rege Bautätigkeit einsetzen. Die höchste Auszeichnung, die ein Land zu vergeben hat, wurde 1932 unserem Haag und seinen Bewohnern verliehen: Haag wurde zur Stadt erhoben.

Der in der ganzen Geschichte unserer Heimat verwurzelte und anerzogene Geist der Mässigung ließ es auch in den Jahren 1938 bis 1945 nicht zu, daß politischer Radikalismus und Haß arge Wunden schlugen. Vielleicht rascher als anderswo, haben auch nach dem schrecklichen Zusammenbruch des Jahres 1945 Menschen verschiedener Geistesrichtung zu gemeinsamer Aufbauarbeit zusammengefunden. Wie durch ein Wunder blieben die Kriegsheere 1945 vor unseren Toren und ersparten unserer Stadt die Grauen des Krieges.

Die neue Gemeindeverwaltung, vorerst gezwungen, nur für das nackte Leben zu sorgen, befaßte sich sehr bald mit neuen Plänen zur Vergrößerung und Verschönerung des Ortes. Eine Siedlung für die Werktätigen konnte geplant und mit Hilfe des Bundes und des Landes fast zur Hälfte fertiggestellt werden. Die Lösung eines der brennendsten Probleme kündet ein neuer, mächtiger Schulbau. Das nahe Nibelungenwerk, die Steyrerwerke und nicht zuletzt das aufblühende heimische Gewerbe sind eine Grundlage für die Vollbeschäftigung der Bevölkerung.

Wie es bei uns schon Tradition geworden, kam auch unser getreuer Wächter, die Kirche, nicht zu kurz. Die Glocken kehrten wieder heim ins alle Turmgebälk und singen ein neues, schöneres Lied vom Aufbauwillen unserer Bevölkerung.

Der Turm erhielt wieder sein kupfernes Kleid, das ihm schon der erste Weltkrieg geraubt. Als allzeit getreuer Wächter sieht dieser mächtige Turm wie einst, als treuer Beschützer, aber auch als Mahner einer großen Geschichte und einer bodenständigen Tradition, die in unseren Mauern jedem Kulturstreben und allem Schönen stets eine würdige Heimstatt bot. Stolz kündet dieser Turm auch weiterhin in alle Lande:

 

Und wie die Heimat ist ihr Volk, so bieder, so wahr und fromm und solcher Heimat wert!