Inmitten liegt, wie eine Perle gefaßt, der Mittelpunkt unserer Hügelheimat, auch auf einem Hügel ausgebreitet, unser Städtchen Haag. Ein anmutiges Bild, die Kirche mit ihrem mächtigen Turm als getreuer Wächter, daran angeschmiegt die schmucken Häuser, malerisch unterbrochen vom Grün der Bäume - ein wunderschön geschlossenes Bild, anheimelnd und behaglich - in der Ferne von der Alpen felsiger Wacht beschirmt. Und rundherum wogende Felder, saftige Wiesen und dunkle Wälder. Über dieser Gottesnatur strahlt ein blauer Sonnenhimmel und spiegelt sich wider in den Augen fröhlicher Menschen. Ein Bild reichsten Gottessegens und trauter Geborgenheit für alle Menschen, die dieses gesegnete Land ihre Hügelheimat, ihr Mostviertel nennen.

Kein schönerer Name könnte für unseren Heimatort gefunden werden, als der, den dieses schöne Örtchen seit urgrauer Zeit trägt. Wir wollen gerne der Deutung der Historiker Glauben schenken, wonach unser Haag seinen Namen aus dem altdeutschen "hag" ableitet, was so viel bedeuten soll wie "umfriedete Schutzstätte". Auf den Trümmern eines allen Römersitzes errichteten die deutschen Bewohner der einst römischen Provinz Norikum eine Schutzstätte gegen die Awaren. Und dieser Bestimmung ist unser Heimatort genau wie seine Bevölkerung bis in unsere Tage treu geblieben. Einst eine Schutzstätte gegen einfallende Barbaren und kriegerische Heere, wurde unsere Heimat zu einer umfriedeten Wohnstatt fleißiger und biederer Menschen, zu einem Hort abendländischer, christlicher Kultur. Oft und oft in der bewegten Geschichte dieses Ortes können wir feststellen, daß die Mauern dieser Stadt einen sichtbaren Schulz gegen die anbrandenden Wogen des Völkergeschehens, aber auch gegen allen eindringenden Ungeist boten.

Die Lage selbst mag einst ein handgreiflicher Schutz gegen anstürmende Horden gewesen sein. Die wehrhafte Zinnenmauer und die Pechnase über dem Portal der Kirche beweisen es, daß dieser Ort eine Wehr gebildet hat. Die Bewohner hatten auch alle Ursache, ihre Wohnstatt zu umwehren, da mit dem Zerfall des Römerreiches um 400 n. Chr. unser Gebiet der Schauplatz der Völkerwanderung wurde. Daß vorher eine römische Siedlung bestand, können die an der Außenseite der Kirche eingemauerten Oberteile zweier römischer Grabsteine bezeugen. Führte doch auch die römische Heerstrasse, der Limes, der Vindobona (Wien), bzw. Carnuntum (Petronell) mit Laureacum (Lorch) verband. Das Verhältnis zu Rom war kein unterwürfiges, sondern ein Schutzverhältnis. Die Noriker behielten ihr Fürstengeschlecht und zahlten lediglich die Steuern nach Rom. Die Römer waren klug genug, um die einheimischen Sitten zu achten und an ihrer Religion nicht zu rütteln.

Durch die Errichtung einer römischen Prokuratur und der Verlegung von Garnisonen in dieses Gebiet, wozu Rom sich durch die gehäuften Einfälle der kriegerischen Markomannen am Nordufer der Donau veranlaßt sah, drang sehr rasch auch römische Kultur in unser Gebiet.